Die meisten Fehler entstehen aus guten Absichten. Unser Verhalten fühlt sich in dem Moment häufig richtig an. Erst an den daraus entstehenden Konflikten merken wir, dass wir etwas falsch gemacht haben. Viele Fehler, auf die wir im Folgenden hinweisen, sind uns selbst unterlaufen. Ganz bestimmt sind wir auch heute nicht perfekt. Hinter jedem der zehn Stolpersteine steckt ein bestimmtes Verhaltensmuster oder eine irrtümliche Annahme. Wir geben Impulse, um diese Verhaltensmuster zu durchbrechen. Oft kann schon eine einfache Frage weiterhelfen: „Ist das, was ich gerade tue, wirklich das, was die Situation braucht? Oder stecke ich in Verhaltensweisen fest, die weder mir helfen noch das Problem lösen?“
Das Kapitel eignet sich auch, um sich die Inhalte und Kernideen des Buchs zu einem späteren Zeitpunkt schnell wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wir arbeiten daher bewusst mit kurz skizzierten Szenarien, Stichworten und Mini-Impulsen.
- Stolperstein 1
Das haben wir schon versucht
Woran du ihn erkennst Du hörst einen neuen Vorschlag und kennst sofort das Ergebnis. Im Kopf ist die Entscheidung längst gefallen, bevor das Gespräch begonnen hat.
Warum das passieren kann Erfahrung spart Energie. Unser Gehirn liebt bekannte Muster. Das Problem beginnt dort, wo Erfahrung zur Gewissheit wird. Denn was 2016 gescheitert ist, kann 2026 trotzdem funktionieren. Schließlich ändern sich die Rahmenbedingungen ständig.
Was helfen kann Frage zuerst: „Was ist heute anders als damals?“
- Stolperstein 2
Erfahrung unterschätzen
Woran du ihn erkennst Du siehst langsame Prozesse und denkst sofort: überflüssig. Abstimmungsschleifen wirken wie Zeitverschwendung. Alles soll schneller, einfacher und digitaler sein.
Warum das passieren kann Wer neu in eine Organisation kommt, meint oft, ineffiziente Maßnahmen erkennen zu können, weil er die Gründe hinter bestimmten Abläufen nicht kennt. Manche Strukturen existieren, um Fehler zu vermeiden, weil diese in großen Organisationen massive Konsequenzen haben.
Was helfen kann Versuche zuerst zu verstehen, warum Dinge so sind, wie sie sind. Überlege erst dann, ob etwas und was sich ändern sollte. Arbeite konkrete Vorschläge heraus, um deinen Eindruck auf die Probe zu stellen.
- Stolperstein 3
Kommunikation als Einbahnstraße
Woran du ihn erkennst Während dein Gegenüber spricht, formulierst du bereits deine Antwort. Jemand sagt etwas, das deine Überzeugungen herausfordert. Du wartest auf deine Gelegenheit, ihn eines Besseren zu belehren.
Warum das passieren kann Wer viel Erfahrung hat, glaubt schnell, ein Muster erkennen zu können, und hört nicht mehr richtig zu. Es gibt einen Unterschied zwischen Zuhören und Warten, bis man selbst dran ist.
Was helfen kann Warte einen Moment länger. Stell lieber eine Frage mehr. Versuche, zuerst zu verstehen.
- Stolperstein 4
Künstliche Harmonie mit echter Harmonie verwechseln
Woran du ihn erkennst Alle verstehen sich gut, aber schwierige Themen bleiben liegen. Wenn es unbequem wird, wechselt man das Thema. Unzufriedenheit wird nur in nicht offiziellen Kanälen geäußert, es gibt kein offenes Gespräch darüber.
Warum das passieren kann Konflikte kosten Energie, und Harmonie, auch wenn sie künstlich ist, fühlt sich gut an und ist bequem. Jüngeren Teams fehlt oft die Erfahrung, einen Konflikt auszuhalten, ohne wegzulaufen.
Was helfen kann Sprich Spannungen früh an. Eine gute Arbeitsatmosphäre kann nur entstehen, wenn man sich bemüht, Konflikte ernst zu nehmen und zu klären.
- Stolperstein 5
KI als reines IT-Projekt behandeln
Woran du ihn erkennst Die neuen Lizenzen sind gekauft. Genutzt werden sie kaum. Die Geschäftsführung hat eine KI-Strategie beschlossen und die Umsetzung delegiert. Drei Monate später fragt sich die Geschäftsführung, warum niemand die Tools nutzt.
Warum das passieren kann Menschen orientieren sich an Führung. Wenn die Chefin die guten Vorsätze nicht vorlebt, bleibt jedes Vorhaben ein abstraktes Versprechen. Ein Großteil der generativen KI-Pilotprojekte scheitert an fehlender Führung von oben.
Was helfen kann KI ist ein Führungsthema. Daher sollten Führungskräfte selbst sichtbar mit KI arbeiten.
- Stolperstein 6
Ergebnisse überbewerten oder nicht hinterfragen
Woran du ihn erkennst Die Ergebnisse, die mit KI entstanden sind, sehen professionell aus. Aber wenn die Rückfragen kommen, kann sie niemand beantworten. Der Grund dafür? Die Hirnregionen für tiefes Denken aktivieren sich weniger, wenn wir direkt mit KI arbeiten.
Warum das passieren kann KI gehört für Jüngere zum Alltag. Genauso selbstverständlich wie Strom. Man bemerkt nicht, wie abhängig man sich von ihr macht, und vertraut blind.
Was helfen kann Ergebnisse müssen immer geprüft und hinterfragt werden. Versucht euch gegenseitig das Projekt zu erklären, um herauszufinden, welche Schlussfolgerungen ihr nicht völlig versteht. Bittet eine unbeteiligte Person, mit kritischem Blick auf euer Projekt zu schauen und euch testweise Fragen zu stellen. Überprüft am besten vorher auch die grundlegenden Daten, mit denen die KI gefüttert werden soll. Wo könnten potenzielle Fehlerquellen liegen?
- Stolperstein 7
Die in Stein gemeißelte Kultur
Woran du ihn erkennst Jemand Neues stellt Fragen, die provokant wirken: „Warum machen wir das so und nicht anders?“, „Warum müssen wir X machen?“, „Warum wurde das so entschieden?“. Ein Konflikt kann entstehen, wenn man daraus mangelnden Respekt ablesen möchte.
Warum das passieren kann Erfahrene Führungskräfte haben Jahre investiert, um eine bestimmte Arbeitskultur zu entwickeln. Die Kultur, die man selbst mitaufgebaut hat, wird ein Teil der eigenen Identität. Wer sie infrage stellt, rührt am Persönlichen.
Was helfen kann Kultur entwickelt sich ständig weiter. Kritische Fragen sollte man als Chance begreifen, diesen Wandel gemeinsam anzugehen.
- Stolperstein 8
Zu früh aufgeben
Woran du ihn erkennst Sechs Monate in einer neuen Rolle. Die Euphorie lässt nach und vieles ist anders, als man es sich vorgestellt hat. Man streckt seine Fühler nach anderen Angeboten aus.
Warum das passieren kann Echte Veränderung braucht Zeit. Die eigentliche Lernerfahrung beginnt häufig erst, wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt. Wer vorher abbricht, verpasst genau den Moment, in dem Wachstum beginnt.
Was helfen kann Ist das Unbehagen ein Zeichen, dass du am falschen Ort bist? Oder ein Zeichen, dass du gerade wächst? Erkenne die Blockaden als Herausforderung.
- Stolperstein 9
Das eigene Tempo zum Maßstab machen
Woran du ihn erkennst Du willst eine neue Methode einführen und gehst das mit viel Enthusiasmus an. Du versäumst es jedoch, dem Team dein Vorhaben zu erklären, und überschüttest die anderen mit Anweisungen.
Warum das passieren kann Begeisterung erzeugt Tempo. Wer ein interessantes Buch gelesen oder einen inspirierenden Workshop besucht hat, will die Erkenntnisse daraus sofort umsetzen. Aber das Team muss dabei mitgenommen werden und darf nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Was helfen kann Veränderung beginnt klein. Zwei Menschen, ein Tandem, zehn Wochen. Eine Einladung, keine Anordnung.
- Stolperstein 10
Fehlende Kontinuität
Woran du ihn erkennst Drei Wochen nach dem Workshop schicken dir Teilnehmende begeisterte Nachrichten. Sie haben ein neues Ritual eingeführt, ein neues Format ausprobiert, ein Tandem gestartet. Sechs Wochen später ist die Hälfte der Projekte eingeschlafen.
Warum das passieren kann Anfangen ist aufregend. Durchhalten ist anstrengend. Dave Brailsford hat das britische Radsportteam transformiert, indem er jeden Tag ein Prozent Verbesserung suchte. James Clear hat darüber ein ganzes Buch geschrieben: Wenn du jeden Tag ein Prozent besser wirst, bist du nach einem Jahr 37-mal besser. Der Zinseszinseffekt der kleinen Schritte. Aber er funktioniert nur, wenn du dranbleibst.
Was helfen kann Echte Veränderung entsteht nur, wenn man am Ball bleibt. Auch wenn es langweilig wird oder das nächste spannende Thema lockt.
Die gefährlichsten Fehler fühlen sich richtig an.